Einsatz von Antibiotika in der zahnärztlichen Praxis

Nach DGZMK; Reinthaler/Feierl: Hygiene [...] in der Zahnarztpraxis, Graz 2004

Dentogene, pyogene Infektionen
(Apikale Parodontitis, Pericoronitis, dentogener Abszess, posttraumatische Infektionen)

Die Indikationsstellung einer antibiotischen Chemotherapie bei dentogenen pyogenen Infektionen ist nicht klar durch Studien belegt. Bei abszedierenden Infektionen stellt die chirurgische Entlastung die zentrale Therapie dar, die gegebenenfalls durch eine antibakterielle Chemotherapie ergänzt werden kann. Trotzdem kann das Fortleiten eines Abszesses entlang kommunizierender Logen lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen. Aus der klinischen Erfahrung ergibt sich, dass eine nicht ausreichende chirurgische Therapie, Fieber, Kieferklemme, Schluckbeschwerden oder allgemeinmedizinische Risikofaktoren eine begleitende antibiotische Therapie nötig machen können. Typische Risikofaktoren sind dabei Alkoholabusus, Diabetes mellitus, Arteriosklerose, Kollagenose , kardiologische, neurologische und nephrologische Erkrankungen. Es finden sich praktisch in allen Fällen eine aerob-anaerobe Mischinfektion mit 3 bis 6 Keimen. Über die Häufigkeiten von penicillin-resistenten Anaerobiern liegen kontroverse Daten vor. Berichtet wird, dass in bis zu 50% der Fälle mindestens ein Keim mit Penicillinresistenz vorliege. Bei Patienten, die mit Betalaktamantibiotika vorbehandelt sind, findet man h äufiger penicillin-resistente Erreger. Klinische Daten zur Pericoronitis finden sich nur vereinzelt. In einer aktuellen Untersuchung zum Keimspektrum dieser Erkrankung sind eine große Anzahl von Spiroch äten und fusiformen Bakterien beschrieben. Neben obligaten Anaerobiern fanden sich außerdem h äufig Viridans Streptokokken (S. milleri). Sollte eine chirurgische Intervention mit Reinigung der Tasche nicht erfolgreich sein, muss eine adjuvante Antibiotikatherapie begonnen werden.

Antibiotische Therapie: In randomisierten, klinischen Studien bew ährt haben sich die Penicilline: Penicillin V, Amoxicillin +- Clavulans äure, sowie Clindamycin, und die neueren Makrolide Roxithromycin, Azithromycin und Clarithromycin. Auch orale Cephalosporine sind im Sinne evidenzbasierter Medizin untersucht und zeigen gute klinische Wirksamkeit. Hingegen stellten sich Tetracyclin und Spiramycin unterlegen dar und sollten demnach empirisch nicht mehr verwendet werden. Kritisch diskutiert werden neue Daten zur Resistenzsituation von Anaerobiern aus dentogenen Infektionen. Hier zeigte sich Penicillin nur gegen über 70 bis 80%, die Kombination aus einem Aminopenicillin mit ß-Lactamase Inhibitor gegen über 95% der Isolate wirksam.

Aufgrund dieser Daten wird von der Paul Ehrlich Gesellschaft f ür Chemotherapie Penicillin V nicht mehr als Therapie der ersten Wahl bei dentogenen Infektionen empfohlen. Bei Patienten ohne Allergie wird ein Aminopenicillin + ß-Lactamaseinhibitor empfohlen. Im Falle einer vermuteten oder gesicherten Allergie gegen über dieser Substanz sollte die Therapie mit Clindamycin oder einem Makrolid begonnen werden. Bei bereits antibiotisch vorbehandelten Patienten sollte entweder ein Betalactamase-stabiles Antibiotikum, zum Beispiel die Kombination mit einem Betalactamase-Inhibitor, Clindamycin, oder ein modernes Makrolid vorgezogen werden. Für die Therapie mit Azithromycin hat sich eine Therapiedauer von drei Tagen etabliert. Für Penicilline wurde bisher eine Therapiedauer von zirka fünf Tagen empfohlen. In einer vergleichenden Untersuchung scheinen jedoch grundsätzlich zwei bis drei Tage antibiotischer Therapie bei erfolgter chirurgischer Drainage auszureichen.

Art der Infektion Therapie der 1. Wahl Alternativen
Apicale Parodontitiden, dentitio difficilis, dentogene Abszesse (mit Ausbreitungstendenz) Aminopenicillin +/,- Beta-Lactamase-Inhibitor Clindamycin, „moderne” Makrolide
Akute nekrotisierende Gingivitis, Angina Plaut-Vincent Penicillin V und Metronidazol Clindamycin
Akute Sialadenitis Clindamycin oder Aminopenicillin +/-, Beta-Lactamase-Inhibitor Cephalosporine Gruppe 2 oder 3
Akute und chron. Osteomyelitis Penicillin V, Clindamycin Aminopenicillin +, Beta-Lactamase-Inhibitor
Verschmutzte Wunden Penicillin V, Cephalosporine, Aminopenicillin +/-, Beta-Lactamase-Inhibitor Clindamycin
Aktinomykose Penicillin V, Aminopenicillin +/-, Beta-Lactamase-Inhibitor Tetracyklin, Cephalosporin
Perioperative Prophylaxe Penicillin V, Clindamycin Cephalosporin
Wichtige Informationen in der zahnärztlichen Praxis und empfohlene Antibiotika

Akute nekrotisierende Gingivitis (ANUG)– Angina Plaut Vincenti
Die akute Form der nekrotisierenden Gingivitis (ANUG) mit dem typischen Auftreten von Spirochäten lässt sich in den meisten Fällen mit lokal desinfizierenden Maßnahmen wie Wasserstoffsuperoxid oder Chlorhexidin-Spülungen beherrschen. In schweren Fällen ist daneben eine adjuvante antibiotische Behandlung beschrieben. Wegen des akuten Verlaufs und der Problematik des kulturellen Nachweises von Spirochäten ist eine klassische Erregerdiagnostik bei dieser Erkrankung nicht sinnvoll. Penicillin V in Kombination mit Metronidazol stellen hier Mittel der ersten Wahl dar. Im Falle einer Allergie kann auch Clindamycin als Alternative eingesetzt werden. Vergleichende Untersuchungen zu diesen Präparaten liegen jedoch nicht vor.

Akute eitrige Sialadenitis
In der akuten Phase steht in den meisten Fällen eine konservative Therapie im Vordergrund. Neben den Möglichkeiten zum Anregen des Speichelflusses ist sehr oft eine antiinfektive Therapie nötig. In älteren Studien wird das ursächliche Auftreten von Streptokokken und Staphylokokken beschrieben. In neueren Arbeiten wird jedoch auf die große Bedeutung der Anaerobier bei der eitrigen Sialadenitis hingewiesen. Die häufige Penicillinresistenz dieser Keime führt zur Empfehlung, ein Aminopenicillin mit Betalactamase-Inhibitor oder Clindamycin einzusetzen. Es finden sich auch Empfehlungen zum Einsatz von Cephalosporinen, deren Wirksamkeit gegen mögliche Anaerobier jedoch beschränkt ist.

Akute und chronische Osteomyelitis
Die Therapie der Osteomyelitis basiert im Wesentlichen auf der chirurgischen Intervention. Insbesondere bei der chronischen Form sind seit vielen Jahren Gentamycin enthaltende PMMA-Ketten erfolgreich im Einsatz. Eine adjuvante antibiotische Therapie sollte neben den häufig zu isolierenden Staphylokokken das anaerobe Erregerspektrum berücksichtigen. Empfohlen werden Clindamycin und Penicillin. Wegen des möglicherweise langen und kritischen Verlaufs sollte grundsätzlich eine Erregerdiagnostik angestrebt werden.

Aktinomykose
Diese meist durch eine Mischinfektion mit dem Leitkeim Actinomyces israeli hervorgerufene Erkrankung ist gut antibiotisch zu therapieren. Je nach Befund ist eine zusätzliche chirurgische Intervention nötig. Wichtig ist die mikrobiologische Diagnosestellung oder zumindest histologische Sicherung der Actinomyces-Drusen. Actinomyceten sind typischerweise gegenüber Penicillin empfindlich. Im Fall einer Allergie wird Doxycyclin, Clindamycin oder ein Cephalosporin empfohlen. Die Miterfassung der obligat anaeroben Begleitflora ist umstritten. Die Therapie muss, wie bei anderen chronischen Entzündungen, über lange Zeit und wegen der schlechte Penetration in das Granulationsgewebe in hoher Dosierung duchgeführt werden. Genaue Daten zur Therapiedauer sind für die cervicofaciale Form nicht erhoben. Eine Dauer von bis zu sechs Monaten wird bei komplizierten Formen erwogen. Bei leichten Verläufen oder ausreichender chirurgischer Sanierung findet sich in der Literatur eine empfohlene Therapiedauer von zirka sechs Wochen.

Prophylaxe bei Operationen nach Trauma
Für operative Zahnentfernungen ist die Indikation umstritten und muss von der Operationsdauer, Wundkontamination, den patientenbezogenen Risikofaktoren und der Wunddrainage abhängig gemacht werden. Es finden sich in der Literatur Hinweise, die für eine Prophylaxe während der Implantatinsertion sprechen. Eindeutig belegt ist die Forderung nach einem ausreichenden Spiegel des Antibiotikums zu Beginn des Eingriffes. Bezüglich der Dauer der Prophylaxe hat sich eine Kurzzeitprophylaxe von einem Tag in den meisten Studien auch für umfangreichere Eingriffe durchgesetzt. Eine über drei Tage hinausgehenede Prophylaxe sollte wegen der steigenden Nebenwirkungsrate ohne weitere Verminderung der Wundinfektionshäufigkeit vermieden werden. Je nach Art und Kontamination des Eingriffes können Penicilline, Cephalosporine oder Clindamycin zum Einsatz kommen.

Mikrobiologische Diagnostik
Die mikrobiologische Kultur stellt sich im ambulanten zahnmedizinischen Bereich für die klinisch relevanten Anaerobier technisch extrem aufwändig und fehleranfällig dar. Neben Transportproblemen sowie schwieriger Isolation und Identifikation kann der therapeutische Nutzen durch die Angabe einer Antibiotika-Sensibilität den Aufwand nicht rechtfertigen. Insbesondere bei Erkrankungen mit hoch akutem Verlauf, wie der nekrotisierenden Gingivitis, muss auch ohne mikrobiologische Diagnostik mit der Therapie begonnen werden. Eine mikrobiologische Diagnostik wird daher von den meisten Autoren nur bei ausgedehnteren Abszessen, Phlegmonen, Infiltraten oder bei chronischen Prozessen (Osteomyelitis, Aktinomykose) für notwendig erachtet.

Benzylpenicillin (Penicillin G, parenteral) und Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V, oral) sind wegen ihrer großen therapeutischen Breite und hohen Aktivität gegen Streptokokken bei dentogenen Infektionen in weitem klinischen Gebrauch. Günstig erweist sich dabei, dass viele gram-negative Anaerobier (Prevotella spp. und Fusobakterien) empfindlich gegenüber Penicillin sind. Die oralen Phenoxymethylpenicilline werden bezüglich ihrer Resorption und Wirksamkeit als gleichwertig betrachtet. Für eine ausreichend hohe Resorption sollte Penicillin V zirka eine Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Hauptnebenwirkung ist bei allen Derivaten des Penicillins die allergische Reaktion, die sich meist als Hautreaktion bemerkbar macht (Anamnese!).
Die Aminopenicilline (Breitspektrumpenicilline) Ampicillin und Amoxicillin sind zwar besser gegenüber vielen gram-negativen aeroben Keimen wirksam, wegen der Instabilität gegenüber Betalactamasen insbesondere einiger Anaerobier können hier jedoch Resistenzen auftreten. Wegen der besseren Resorption werden nur Amoxicillin und Bacampicillin für die orale Gabe empfohlen. Das Auftreten von Exanthemen ist mit bis zu zehn Prozent recht häufig und kann auch mit zeitlicher Verzögerung auftreten. Beta-Lactamase-Inhibitoren (Clavulansäure und Sulbactam) werden als fixe Kombinationen angeboten (Amoxicillin/Clavulansäure und Amoxicillin/Sulbactam). Diese erreichen eine sehr gute Wirksamkeit bei dentogenen Infektionen. Es ist jedoch ein vermehrtes Auftretren gastrointestinaler und hepatischer Nebenwirkungen beschrieben.
Wegen der guten oralen Verfügbarkeit und Wirksamkeit gegen Anaerobier stellt Clindamycin eine häufig im zahnärztlichen Bereich angewendete Substanz dar. Die Gewebepenetration von Clindamycin ist gut untersucht, wird aber von vielen modernen Substanzen ebenfalls erreicht. Die pseudomembranöse Colitis stellt eine seltene Nebenwirkung dar, die jedoch grundsätzlich bei allen Antibiotika auftreten kann. Bei gesunden Patienten sollte die Dosis von 3- bis 4- mal 300 mg per os nicht unterschritten werden. Ob höhere Dosierungen besser wirksam sind, ist nicht untersucht.
Cephalosporine zeichnen sich durch sehr gute Verträglichkeit aus. Allergische Reaktionen treten seltener als bei Penicillinen auf. Die Oralcephalosporine der Gruppe 1 (Cefalexin, Cefadroxil, Cefaclor) haben eine gute Wirksamkeit gegen gram-positive Erreger (Staphylokokken, Streptokokken) einschließlich penicillinresistenter Stämme. Gegen orale Anaerobier wirken Cephalosporine der Gruppe 1 jedoch meist schlechter als Penicilline. Die oralen Cephalosporine der Gruppe 2 (Cefuroximaxetil, Loracarbef) haben eine bessere Wirkung gegen gram-negative Erreger durch eine erhöhte Betalactamase-Stabilität. Dies zeigt sich auch in einer guten Anaerobierwirksamkeit. Loracarbef hat als Analogon des Cefaclor eine verbesserte Pharmakokinetik und ein breiteres Wirkspektrum, das auch im anaeroben Bereich deutlich wird. Cephalosporine der Gruppe 3 zeigen eine nochmals verbesserte Wirksamkeit im gram-negativen Bereich auf Kosten der Wirksamkeit gegenüber gram-positiven Keimen (Staphylokokken). Ihr Einsatz kann daher für die empirische Therapie im zahnärztlichen Bereich nicht empfohlen werden.
Tetracykline, heute praktisch ausschließlich Doxycyclin, sind insbesondere bei Atemwegsinfektionen im Einsatz. Die sehr gute Gewebegängigkeit ermöglicht dabei die orale Gabe, und die Aktivität erstreckt sich auch auf atypische (intrazelluläre) Erreger. Eine gemeinsame Einnahme mit Milch oder kalziumhaltigen Arzneimitteln ist zu vermeiden. Im Einsatz in der Zahnmedizin befindet sich diese Substanzklasse entsprechend der Leitlinien der wissenschaftlichen Gesellschaften nur bei der Behandlung marginaler Parodontiden. Hier ist der Einsatz insbesondere beim Nachweis von Actinobacillus actinomycetemcomitans, welcher natürlicherweise metronidazolresistent ist, anzuraten. Für die apikale Parodontitis ist diese Substanz nicht mehr zu empfehlen. Wegen der bei Kindern möglichen Zahnverfärbungen und der häufigen Photosensibilisierung ist diese Substanzklasse somit als Standardtherapeutikum nicht ideal.
Die Gruppe der Makrolide: Erythromycin hat eine relativ schlechte orale Bioverfügbarkeit und ist durch pharmakokinetisch günstigere und wirksamere Substanzen zunehmend verdrängt worden, die auch in der Zahnheilkunde bevorzugt werden sollten. Bei längerer Einnahme von Makroliden sind gastrointestinale und hepatische Nebenwirkungen beschrieben. Da Makrolide in der Leber metabolisiert werden, sollte an eine mögliche Wechselwirkung mit andere Arzneimitteln gedacht werden.
Spiramycin sollte wegen der schlechten oralen Resorption und schlechteren Wirksamkeit im Vergleich mit modernen Makroliden nicht mehr verwendet werden. Eine neuere Alternative mit besserem Wirkspektrum stellt Roxithromycin dar, das in der Dosierung 300 mg 1x/Tag eingesetzt wird. Azithromycin besitzt eine besonders günstige pharmakokinetische Eigenschaft, indem es neben einer guten oralen Verfügbarkeit sich in Zellen und Gewebe anreichert. Hier ist eine dreimal tägliche Gabe von 500 mg für drei Tage belegt wirksam. Clarithromycin konnte in der Dosierung 400 mg 2x/d für sieben Tage erfolgreich eingesetzt werden. Vorteilhaft ist bei beiden Substanzen die Verbesserung der Compliance durch längere Dosierungsintervalle. Es sollte jedoch die von Pneumokokken bekannte langsame Resistenzentwicklung beobachtet werden. Als Ausweichpräparate in der Zahnheilkunde scheinen die modernen Makrolide empfehlenswert.
Fluorchinolone oder Gyrasehemmer zeichnen sich durch eine sehr gute Gewebegängigkeit und gute Resorption nach oraler Gabe aus. Die „alten” Vertreter Ofloxacin und Cipofloxacin, die der Gruppe 2 zugeordnet werden, waren wegen mangelnder Wirksamkeit gegen orale Anaerobier nicht für die Standardtherapie in der Zahnheilkunde zu empfehlen. Das der Gruppe 3 zuzuordnende Levofloxacin zeigt eine deutlich verbesserte Aktivität gegen gram-positive Erreger, wie Staphylokokken und Streptokokken, bei vergleichbarer Aktivität im gram-negativen Bereich. Die Gruppe 4, bisher nur mit Moxifloxacin vertreten, zeigt in vitro gute Aktivität gegenüber zahnmedizinisch relevanten Keimen. Die Aktivität gegen Anaerobier ist mit der Metronidazols vergleichbar.
Nitroimidazole mit dem Hauptvertreter Metronidazol befinden sich in der Zahnmedizin im Rahmen von entzündlichen Parodontalerkrankungen dabei oft in Kombination mit einem Betalactamantibiotikum im Einsatz. Im Vergleich zu Clindamycin zeigt Metronidazol sowohl gegenüber Keimen aus dentogenen Abszessen als auch rasch fortschreitender Parodontitis vergleichbare Wirksamkeit. Wegen der im Tierversuch nachgewiesenen mutagenen und karzinogenen Wirkung sollten Nitromidazole dennoch nur streng indiziert eingesetzt werden. Wegen der ausgeprägten Intoleranzreaktion ist auf eine Alkoholkarenz hinzuweisen.

Die wichtigsten Antibiotika

Übersicht der in der Zahnheilkunde häufig verwendeten oralen Antibiotika und mittlere empfohlene Dosierungen für gesunde, normalgewichtige Erwachsene (Dosiskorrektur und Einschränkungen bei Kindern oder bei Vorliegen von Allgemeinkrankheiten)

Gruppe Substanz Handelsname Dosierung
Penicillin V Phenoxymethylpenicillin Megacillin, Ospen, Penbene, Penstad, Star-Pen 3x1,5 Mio. I.E.
Aminopenicilline Amoxicillin Amoxicillin, Amoxihexal, Amoxilan, Amoxistad, Clamoxyl, Eramox, Ospamox, Supramox 3x1 g
Aminopenicillin +/-, Betalactamase-Hemmer

Amoxicillin und
Clavulansäure

Amoclan, Augmentin, Clavamox, Xiclav 3x625 mg
Clindamycin Clindamycin Clindac, Clindamycin, Dalacin C, Lanacine 3x300 mg
Cephalosporine I Cefalexin Cephalobene, Keflex, Ospexin, Sanaxin 3x1 g
  Cefadroxil Duracef 2x1 g
  Cefaclor Ceclor, Cefastad, Lanacef 3x500 mg
Cephalosporine II Cefuroxim-Axetil Zinnat 2x250 mg
Cephalosporine III Cefpodoxim Biocef, Otreon 2x200 mg
  Cefixim Aerocef, Tricef 2x200 mg
Tetracykline Doxycyclin Doxybene, Doxycyclin, Doxyderm, Doxydyn, Doxyhexal, Doxystad, Minocin, Minostad, Supracyclin, Vibramycin 2x100 mg
Makrolide Erythromycin Erythrocin, Erythromycin, Meromycin 3x500 mg
  Roxithromycin Rulide 1x300 mg
  Clarithromycin Klacid, Maclar 2x250 mg
  Azithromycin Zithromax 1x500 mg
Fluorchinolone II Ofloxacin Ofloxacin, Tarivid 2x200 mg
  Ciprofloxacin Ciproxin, Ciprofloxacin 2x500 mg
Fluorchinolone III Levofloxacin Tavanic 1x500 mg
Fluorchinolone IV Moxifloxacin Avelox 1x400 mg
Nitromidazol Metronidazol Anaerobex, Metronidazol, Trichex 3x400 mg

 

Empfohlene Dosierungsschemata antibiotischer Wirkstoffe
Wirkstoff Dosierung (Erwachsene)
Tetracyclin 250 mg 4 x 250 mg/die, 21 Tage
Doxycyclin 100 mg 1 x 200 mg/die, 1 Tag
1 x 100 mg/die, 18 Tage
Metronidazol 400 mg 3 x 400 mg/die, 7 Tage

Metronidazol 400 mg und
Amoxicillin 500 mg

3 x 400 mg/die, 7 Tage
3 x 500 mg/die, 7 Tage
Metronidazol 500 mg und
Ciprofloxacin 250 mg
2 x 500 mg/die, 7 Tage
2 x 250 mg/die, 7 Tage
Amoxicillin 500 mg 3 x 500 mg/die, 14 Tage
Ciprofloxacin 250 mg 2 x 250 mg/die, 10 Tage
Clindamycin 300 mg 4 x 300 mg/die, 7 Tage

 

Antiobiotikaempfehlungen in der Parodontologie
Endokarditis, durchgemachte bakterielle empfohlen (Hochrisiko!)
Fieber, rheumatisches, ohne Herzklappenfehlfunktion nicht empfohlen
Herzerkrankungen, komplexe, wie z. B. Fallot´sche Tetralogie empfohlen (Hochrisiko!)
Herzfehler, angeboren empfohlen (moderates Risiko)
Herzgeräusche, physiologische, funktionelle oder harmlose nicht empfohlen
Herzklappenersatz empfohlen (Hochrisiko!)
Herzklappenfehlfunktionen empfohlen (moderates Risiko)
Herzschrittmacher (intravaskulär und epikardial) und implantierte Defibrillatoren nicht empfohlen
Kardiomyopathie, hypertrophierende empfohlen (moderates Risiko)
Kawasaki-Erkrankung ohne Herzklappenfehlfunktion nicht empfohlen
Koronararterienbypasse nicht empfohlen
Linksherzkatheter, liegender empfohlen
Mitralklappenprolaps mit valvulärer Regurgitation empfohlen (moderates Risiko)
Mitralklappenprolaps ohne valvuläre Regurgitation nicht empfohlen
Shunts, systemische pulmonare, oder Umgehungskreisläufe empfohlen (Hochrisiko!)
Vorhofseptumdefekt, chirurgisch behobener, Ventrikelseptrumdefekt oder offener Ductus arteriosus nicht empfohlen
Vorhofseptumdefekt, isolierter nicht empfohlen

 

Antibiotikaempfehlung bei anderen zahnärztlichen Therapien
Abformung (Abdrucknahme) nicht empfohlen
Endodontologischer Instrumentierung oder Chirurgie über den Apex hinaus empfohlen
Erstapplikation orthodontischer Bänder empfohlen
Fluoridierung nicht empfohlen
Implantatinsertion, Replantation luxierter Zähne empfohlen
KFO-Geräte, Nachjustierung nicht empfohlen
Kofferdamapplikation nicht empfohlen
Lokalanästhesie, intraligamentäre empfohlen
Lokalanästhesie, nichtintraligamentäre nicht empfohlen
Milchzahnentfernung nicht empfohlen
Nahtentfernung nicht empfohlen
Parodontale Therapie empfohlen
Prothesen- oder KFO-Geräte-Eingliederung nicht empfohlen
Reinigung, prophylaktische (wenn eine Blutung zu erwarten ist) empfohlen
Restaurative Maßnahmen mit oder ohne Retraktionsfaden nicht empfohlen
Röntgenbildanfertigung nicht empfohlen
Stiftapplikation und Stumpfaufbau nicht empfohlen
Subgingivale Applikation von Antibiotikafäden und -streifen empfohlen
Wurzelkanalbehandlung, intrakanalikuläre empfohlen
Zahnextraktion empfohlen