Einsatz von
Antibiotika in der zahnärztlichen Praxis
Nach DGZMK; Reinthaler/Feierl:
Hygiene [...] in der Zahnarztpraxis, Graz 2004
Dentogene, pyogene Infektionen
(Apikale Parodontitis, Pericoronitis, dentogener Abszess, posttraumatische
Infektionen)
Die Indikationsstellung einer antibiotischen Chemotherapie bei dentogenen
pyogenen Infektionen ist nicht klar durch Studien belegt. Bei abszedierenden
Infektionen stellt die chirurgische Entlastung die zentrale Therapie
dar, die gegebenenfalls durch eine antibakterielle Chemotherapie ergänzt
werden kann. Trotzdem kann das Fortleiten eines Abszesses entlang kommunizierender
Logen lebensbedrohliche Komplikationen hervorrufen. Aus der klinischen
Erfahrung ergibt sich, dass eine nicht ausreichende chirurgische Therapie,
Fieber, Kieferklemme, Schluckbeschwerden oder allgemeinmedizinische
Risikofaktoren eine begleitende antibiotische Therapie nötig machen
können. Typische Risikofaktoren sind dabei Alkoholabusus, Diabetes
mellitus, Arteriosklerose, Kollagenose , kardiologische, neurologische
und nephrologische Erkrankungen. Es finden sich praktisch in allen Fällen
eine aerob-anaerobe Mischinfektion mit 3 bis 6 Keimen. Über die Häufigkeiten
von penicillin-resistenten Anaerobiern liegen kontroverse Daten vor.
Berichtet wird, dass in bis zu 50% der Fälle mindestens ein Keim
mit Penicillinresistenz vorliege. Bei Patienten, die mit Betalaktamantibiotika
vorbehandelt sind, findet man h äufiger penicillin-resistente Erreger.
Klinische Daten zur Pericoronitis finden sich nur vereinzelt. In einer
aktuellen Untersuchung zum Keimspektrum dieser Erkrankung sind eine
große Anzahl von Spiroch äten und fusiformen Bakterien beschrieben.
Neben obligaten Anaerobiern fanden sich außerdem h äufig Viridans
Streptokokken (S. milleri). Sollte eine chirurgische Intervention mit
Reinigung der Tasche nicht erfolgreich sein, muss eine adjuvante Antibiotikatherapie
begonnen werden.
Antibiotische Therapie: In randomisierten,
klinischen Studien bew ährt haben sich die Penicilline: Penicillin
V, Amoxicillin +- Clavulans äure, sowie Clindamycin, und die neueren
Makrolide Roxithromycin, Azithromycin und Clarithromycin. Auch orale
Cephalosporine sind im Sinne evidenzbasierter Medizin untersucht und
zeigen gute klinische Wirksamkeit. Hingegen stellten sich Tetracyclin
und Spiramycin unterlegen dar und sollten demnach empirisch nicht mehr
verwendet werden. Kritisch diskutiert werden neue Daten zur Resistenzsituation
von Anaerobiern aus dentogenen Infektionen. Hier zeigte sich Penicillin
nur gegen über 70 bis 80%, die Kombination aus einem Aminopenicillin
mit ß-Lactamase Inhibitor gegen über 95% der Isolate wirksam.
Aufgrund dieser Daten wird von der Paul Ehrlich Gesellschaft
f ür Chemotherapie Penicillin V nicht mehr als Therapie der ersten
Wahl bei dentogenen Infektionen empfohlen. Bei Patienten ohne Allergie
wird ein Aminopenicillin + ß-Lactamaseinhibitor empfohlen. Im Falle
einer vermuteten oder gesicherten Allergie gegen über dieser Substanz
sollte die Therapie mit Clindamycin oder einem Makrolid begonnen werden.
Bei bereits antibiotisch vorbehandelten Patienten sollte entweder ein
Betalactamase-stabiles Antibiotikum, zum Beispiel die Kombination mit
einem Betalactamase-Inhibitor, Clindamycin, oder ein modernes Makrolid
vorgezogen werden. Für die Therapie mit Azithromycin hat sich eine
Therapiedauer von drei Tagen etabliert. Für Penicilline wurde bisher
eine Therapiedauer von zirka fünf Tagen empfohlen. In einer vergleichenden
Untersuchung scheinen jedoch grundsätzlich zwei bis drei Tage antibiotischer
Therapie bei erfolgter chirurgischer Drainage auszureichen.
| Art der Infektion |
Therapie der 1. Wahl |
Alternativen |
| Apicale Parodontitiden, dentitio difficilis, dentogene Abszesse
(mit Ausbreitungstendenz) |
Aminopenicillin +/,- Beta-Lactamase-Inhibitor |
Clindamycin, „moderne” Makrolide |
| Akute nekrotisierende Gingivitis, Angina Plaut-Vincent |
Penicillin V und Metronidazol |
Clindamycin |
| Akute Sialadenitis |
Clindamycin oder Aminopenicillin +/-, Beta-Lactamase-Inhibitor |
Cephalosporine Gruppe 2 oder 3 |
| Akute und chron. Osteomyelitis |
Penicillin V, Clindamycin |
Aminopenicillin +, Beta-Lactamase-Inhibitor |
| Verschmutzte Wunden |
Penicillin V, Cephalosporine, Aminopenicillin +/-, Beta-Lactamase-Inhibitor |
Clindamycin |
| Aktinomykose |
Penicillin V, Aminopenicillin +/-, Beta-Lactamase-Inhibitor |
Tetracyklin, Cephalosporin |
| Perioperative Prophylaxe |
Penicillin V, Clindamycin |
Cephalosporin |
| Wichtige Informationen in der zahnärztlichen
Praxis und empfohlene Antibiotika |
Akute nekrotisierende Gingivitis
(ANUG)– Angina Plaut Vincenti
Die akute Form der nekrotisierenden Gingivitis (ANUG) mit dem
typischen Auftreten von Spirochäten lässt sich in den meisten
Fällen mit lokal desinfizierenden Maßnahmen wie Wasserstoffsuperoxid
oder Chlorhexidin-Spülungen beherrschen. In schweren Fällen
ist daneben eine adjuvante antibiotische Behandlung beschrieben. Wegen
des akuten Verlaufs und der Problematik des kulturellen Nachweises von
Spirochäten ist eine klassische Erregerdiagnostik bei dieser Erkrankung
nicht sinnvoll. Penicillin V in Kombination mit Metronidazol stellen
hier Mittel der ersten Wahl dar. Im Falle einer Allergie kann auch Clindamycin
als Alternative eingesetzt werden. Vergleichende Untersuchungen zu diesen
Präparaten liegen jedoch nicht vor.
Akute eitrige Sialadenitis
In der akuten Phase steht in den meisten Fällen eine konservative
Therapie im Vordergrund. Neben den Möglichkeiten zum Anregen des
Speichelflusses ist sehr oft eine antiinfektive Therapie nötig.
In älteren Studien wird das ursächliche Auftreten von Streptokokken
und Staphylokokken beschrieben. In neueren Arbeiten wird jedoch auf
die große Bedeutung der Anaerobier bei der eitrigen Sialadenitis
hingewiesen. Die häufige Penicillinresistenz dieser Keime führt
zur Empfehlung, ein Aminopenicillin mit Betalactamase-Inhibitor oder
Clindamycin einzusetzen. Es finden sich auch Empfehlungen zum Einsatz
von Cephalosporinen, deren Wirksamkeit gegen mögliche Anaerobier
jedoch beschränkt ist.
Akute und chronische Osteomyelitis
Die Therapie der Osteomyelitis basiert im Wesentlichen auf der chirurgischen
Intervention. Insbesondere bei der chronischen Form sind seit vielen
Jahren Gentamycin enthaltende PMMA-Ketten erfolgreich im Einsatz. Eine
adjuvante antibiotische Therapie sollte neben den häufig zu isolierenden
Staphylokokken das anaerobe Erregerspektrum berücksichtigen. Empfohlen
werden Clindamycin und Penicillin. Wegen des möglicherweise langen
und kritischen Verlaufs sollte grundsätzlich eine Erregerdiagnostik
angestrebt werden.
Aktinomykose
Diese meist durch eine Mischinfektion mit dem Leitkeim Actinomyces israeli
hervorgerufene Erkrankung ist gut antibiotisch zu therapieren. Je nach
Befund ist eine zusätzliche chirurgische Intervention nötig.
Wichtig ist die mikrobiologische Diagnosestellung oder zumindest histologische
Sicherung der Actinomyces-Drusen. Actinomyceten sind typischerweise
gegenüber Penicillin empfindlich. Im Fall einer Allergie wird Doxycyclin,
Clindamycin oder ein Cephalosporin empfohlen. Die Miterfassung der obligat
anaeroben Begleitflora ist umstritten. Die Therapie muss, wie bei anderen
chronischen Entzündungen, über lange Zeit und wegen der schlechte
Penetration in das Granulationsgewebe in hoher Dosierung duchgeführt
werden. Genaue Daten zur Therapiedauer sind für die cervicofaciale
Form nicht erhoben. Eine Dauer von bis zu sechs Monaten wird bei komplizierten
Formen erwogen. Bei leichten Verläufen oder ausreichender chirurgischer
Sanierung findet sich in der Literatur eine empfohlene Therapiedauer
von zirka sechs Wochen.
Prophylaxe bei Operationen
nach Trauma
Für operative Zahnentfernungen ist die Indikation umstritten und
muss von der Operationsdauer, Wundkontamination, den patientenbezogenen
Risikofaktoren und der Wunddrainage abhängig gemacht werden. Es
finden sich in der Literatur Hinweise, die für eine Prophylaxe
während der Implantatinsertion sprechen. Eindeutig belegt ist die
Forderung nach einem ausreichenden Spiegel des Antibiotikums zu Beginn
des Eingriffes. Bezüglich der Dauer der Prophylaxe hat sich eine
Kurzzeitprophylaxe von einem Tag in den meisten Studien auch für
umfangreichere Eingriffe durchgesetzt. Eine über drei Tage hinausgehenede
Prophylaxe sollte wegen der steigenden Nebenwirkungsrate ohne weitere
Verminderung der Wundinfektionshäufigkeit vermieden werden. Je
nach Art und Kontamination des Eingriffes können Penicilline, Cephalosporine
oder Clindamycin zum Einsatz kommen.
Mikrobiologische Diagnostik
Die mikrobiologische Kultur stellt sich im ambulanten zahnmedizinischen
Bereich für die klinisch relevanten Anaerobier technisch extrem
aufwändig und fehleranfällig dar. Neben Transportproblemen
sowie schwieriger Isolation und Identifikation kann der therapeutische
Nutzen durch die Angabe einer Antibiotika-Sensibilität den Aufwand
nicht rechtfertigen. Insbesondere bei Erkrankungen mit hoch akutem Verlauf,
wie der nekrotisierenden Gingivitis, muss auch ohne mikrobiologische
Diagnostik mit der Therapie begonnen werden. Eine mikrobiologische Diagnostik
wird daher von den meisten Autoren nur bei ausgedehnteren Abszessen,
Phlegmonen, Infiltraten oder bei chronischen Prozessen (Osteomyelitis,
Aktinomykose) für notwendig erachtet.
Benzylpenicillin (Penicillin G, parenteral)
und Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V, oral) sind
wegen ihrer großen therapeutischen Breite und hohen Aktivität
gegen Streptokokken bei dentogenen Infektionen in weitem klinischen
Gebrauch. Günstig erweist sich dabei, dass viele gram-negative
Anaerobier (Prevotella spp. und Fusobakterien) empfindlich gegenüber
Penicillin sind. Die oralen Phenoxymethylpenicilline werden bezüglich
ihrer Resorption und Wirksamkeit als gleichwertig betrachtet. Für
eine ausreichend hohe Resorption sollte Penicillin V zirka eine Stunde
vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Die Hauptnebenwirkung ist bei
allen Derivaten des Penicillins die allergische Reaktion, die sich meist
als Hautreaktion bemerkbar macht (Anamnese!).
Die Aminopenicilline (Breitspektrumpenicilline) Ampicillin
und Amoxicillin sind zwar besser gegenüber vielen gram-negativen
aeroben Keimen wirksam, wegen der Instabilität gegenüber Betalactamasen
insbesondere einiger Anaerobier können hier jedoch Resistenzen
auftreten. Wegen der besseren Resorption werden nur Amoxicillin und
Bacampicillin für die orale Gabe empfohlen. Das Auftreten von Exanthemen
ist mit bis zu zehn Prozent recht häufig und kann auch mit zeitlicher
Verzögerung auftreten. Beta-Lactamase-Inhibitoren
(Clavulansäure und Sulbactam) werden als fixe Kombinationen angeboten
(Amoxicillin/Clavulansäure und Amoxicillin/Sulbactam). Diese erreichen
eine sehr gute Wirksamkeit bei dentogenen Infektionen. Es ist jedoch
ein vermehrtes Auftretren gastrointestinaler und hepatischer Nebenwirkungen
beschrieben.
Wegen der guten oralen Verfügbarkeit und Wirksamkeit gegen Anaerobier
stellt Clindamycin eine häufig im zahnärztlichen Bereich angewendete
Substanz dar. Die Gewebepenetration von Clindamycin ist gut untersucht,
wird aber von vielen modernen Substanzen ebenfalls erreicht. Die pseudomembranöse
Colitis stellt eine seltene Nebenwirkung dar, die jedoch grundsätzlich
bei allen Antibiotika auftreten kann. Bei gesunden Patienten sollte
die Dosis von 3- bis 4- mal 300 mg per os nicht unterschritten werden.
Ob höhere Dosierungen besser wirksam sind, ist nicht untersucht.
Cephalosporine zeichnen sich durch sehr gute Verträglichkeit
aus. Allergische Reaktionen treten seltener als bei Penicillinen auf.
Die Oralcephalosporine der Gruppe 1 (Cefalexin, Cefadroxil, Cefaclor)
haben eine gute Wirksamkeit gegen gram-positive Erreger (Staphylokokken,
Streptokokken) einschließlich penicillinresistenter Stämme.
Gegen orale Anaerobier wirken Cephalosporine der Gruppe 1
jedoch meist schlechter als Penicilline. Die oralen Cephalosporine der
Gruppe 2 (Cefuroximaxetil, Loracarbef) haben eine bessere
Wirkung gegen gram-negative Erreger durch eine erhöhte Betalactamase-Stabilität.
Dies zeigt sich auch in einer guten Anaerobierwirksamkeit. Loracarbef
hat als Analogon des Cefaclor eine verbesserte Pharmakokinetik und ein
breiteres Wirkspektrum, das auch im anaeroben Bereich deutlich wird.
Cephalosporine der Gruppe 3 zeigen eine nochmals verbesserte
Wirksamkeit im gram-negativen Bereich auf Kosten der Wirksamkeit gegenüber
gram-positiven Keimen (Staphylokokken). Ihr Einsatz kann daher für
die empirische Therapie im zahnärztlichen Bereich nicht empfohlen
werden.
Tetracykline, heute praktisch ausschließlich
Doxycyclin, sind insbesondere bei Atemwegsinfektionen im Einsatz. Die
sehr gute Gewebegängigkeit ermöglicht dabei die orale Gabe,
und die Aktivität erstreckt sich auch auf atypische (intrazelluläre)
Erreger. Eine gemeinsame Einnahme mit Milch oder kalziumhaltigen Arzneimitteln
ist zu vermeiden. Im Einsatz in der Zahnmedizin befindet sich diese
Substanzklasse entsprechend der Leitlinien der wissenschaftlichen Gesellschaften
nur bei der Behandlung marginaler Parodontiden. Hier ist der Einsatz
insbesondere beim Nachweis von Actinobacillus actinomycetemcomitans,
welcher natürlicherweise metronidazolresistent ist, anzuraten.
Für die apikale Parodontitis ist diese Substanz nicht mehr zu empfehlen.
Wegen der bei Kindern möglichen Zahnverfärbungen und der häufigen
Photosensibilisierung ist diese Substanzklasse somit als Standardtherapeutikum
nicht ideal.
Die Gruppe der Makrolide: Erythromycin hat eine relativ
schlechte orale Bioverfügbarkeit und ist durch pharmakokinetisch
günstigere und wirksamere Substanzen zunehmend verdrängt worden,
die auch in der Zahnheilkunde bevorzugt werden sollten. Bei längerer
Einnahme von Makroliden sind gastrointestinale und hepatische Nebenwirkungen
beschrieben. Da Makrolide in der Leber metabolisiert werden, sollte
an eine mögliche Wechselwirkung mit andere Arzneimitteln gedacht
werden.
Spiramycin sollte wegen der schlechten oralen Resorption und schlechteren
Wirksamkeit im Vergleich mit modernen Makroliden nicht mehr verwendet
werden. Eine neuere Alternative mit besserem Wirkspektrum stellt Roxithromycin
dar, das in der Dosierung 300 mg 1x/Tag eingesetzt wird. Azithromycin
besitzt eine besonders günstige pharmakokinetische Eigenschaft,
indem es neben einer guten oralen Verfügbarkeit sich in Zellen
und Gewebe anreichert. Hier ist eine dreimal tägliche Gabe von
500 mg für drei Tage belegt wirksam. Clarithromycin konnte in der
Dosierung 400 mg 2x/d für sieben Tage erfolgreich eingesetzt werden.
Vorteilhaft ist bei beiden Substanzen die Verbesserung der Compliance
durch längere Dosierungsintervalle. Es sollte jedoch die von Pneumokokken
bekannte langsame Resistenzentwicklung beobachtet werden. Als Ausweichpräparate
in der Zahnheilkunde scheinen die modernen Makrolide empfehlenswert.
Fluorchinolone oder Gyrasehemmer zeichnen sich durch
eine sehr gute Gewebegängigkeit und gute Resorption nach oraler
Gabe aus. Die „alten” Vertreter Ofloxacin und Cipofloxacin,
die der Gruppe 2 zugeordnet werden, waren wegen mangelnder
Wirksamkeit gegen orale Anaerobier nicht für die Standardtherapie
in der Zahnheilkunde zu empfehlen. Das der Gruppe 3 zuzuordnende
Levofloxacin zeigt eine deutlich verbesserte Aktivität gegen gram-positive
Erreger, wie Staphylokokken und Streptokokken, bei vergleichbarer Aktivität
im gram-negativen Bereich. Die Gruppe 4, bisher nur
mit Moxifloxacin vertreten, zeigt in vitro gute Aktivität gegenüber
zahnmedizinisch relevanten Keimen. Die Aktivität gegen Anaerobier
ist mit der Metronidazols vergleichbar.
Nitroimidazole mit dem Hauptvertreter Metronidazol
befinden sich in der Zahnmedizin im Rahmen von entzündlichen Parodontalerkrankungen
dabei oft in Kombination mit einem Betalactamantibiotikum im Einsatz.
Im Vergleich zu Clindamycin zeigt Metronidazol sowohl gegenüber
Keimen aus dentogenen Abszessen als auch rasch fortschreitender Parodontitis
vergleichbare Wirksamkeit. Wegen der im Tierversuch nachgewiesenen mutagenen
und karzinogenen Wirkung sollten Nitromidazole dennoch nur streng indiziert
eingesetzt werden. Wegen der ausgeprägten Intoleranzreaktion ist
auf eine Alkoholkarenz hinzuweisen.
Die
wichtigsten Antibiotika
Übersicht der in der Zahnheilkunde häufig
verwendeten oralen Antibiotika und mittlere empfohlene Dosierungen
für gesunde, normalgewichtige Erwachsene (Dosiskorrektur
und Einschränkungen bei Kindern oder bei Vorliegen von Allgemeinkrankheiten) |
| Gruppe |
Substanz |
Handelsname |
Dosierung |
| Penicillin V |
Phenoxymethylpenicillin |
Megacillin, Ospen, Penbene, Penstad, Star-Pen |
3x1,5 Mio. I.E. |
| Aminopenicilline |
Amoxicillin |
Amoxicillin, Amoxihexal, Amoxilan, Amoxistad, Clamoxyl, Eramox,
Ospamox, Supramox |
3x1 g |
| Aminopenicillin +/-, Betalactamase-Hemmer |
Amoxicillin und
Clavulansäure |
Amoclan, Augmentin, Clavamox, Xiclav |
3x625 mg |
| Clindamycin |
Clindamycin |
Clindac, Clindamycin, Dalacin C, Lanacine |
3x300 mg |
| Cephalosporine I |
Cefalexin |
Cephalobene, Keflex, Ospexin, Sanaxin |
3x1 g |
| |
Cefadroxil |
Duracef |
2x1 g |
| |
Cefaclor |
Ceclor, Cefastad, Lanacef |
3x500 mg |
| Cephalosporine II |
Cefuroxim-Axetil |
Zinnat |
2x250 mg |
| Cephalosporine III |
Cefpodoxim |
Biocef, Otreon |
2x200 mg |
| |
Cefixim |
Aerocef, Tricef |
2x200 mg |
| Tetracykline |
Doxycyclin |
Doxybene, Doxycyclin, Doxyderm, Doxydyn, Doxyhexal, Doxystad,
Minocin, Minostad, Supracyclin, Vibramycin |
2x100 mg |
| Makrolide |
Erythromycin |
Erythrocin, Erythromycin, Meromycin |
3x500 mg |
| |
Roxithromycin |
Rulide |
1x300 mg |
| |
Clarithromycin |
Klacid, Maclar |
2x250 mg |
| |
Azithromycin |
Zithromax |
1x500 mg |
| Fluorchinolone II |
Ofloxacin |
Ofloxacin, Tarivid |
2x200 mg |
| |
Ciprofloxacin |
Ciproxin, Ciprofloxacin |
2x500 mg |
| Fluorchinolone III |
Levofloxacin |
Tavanic |
1x500 mg |
| Fluorchinolone IV |
Moxifloxacin |
Avelox |
1x400 mg |
| Nitromidazol |
Metronidazol |
Anaerobex, Metronidazol, Trichex |
3x400 mg |
Empfohlene
Dosierungsschemata antibiotischer Wirkstoffe |
| Wirkstoff |
Dosierung (Erwachsene) |
| Tetracyclin 250 mg |
4 x 250 mg/die, 21 Tage |
| Doxycyclin 100 mg |
1 x 200 mg/die, 1 Tag
1 x 100 mg/die, 18 Tage |
| Metronidazol 400 mg |
3 x 400 mg/die, 7 Tage |
| Metronidazol 400 mg und
Amoxicillin 500 mg |
3 x 400 mg/die, 7 Tage
3 x 500 mg/die, 7 Tage |
Metronidazol 500 mg und
Ciprofloxacin 250 mg |
2 x 500 mg/die, 7 Tage
2 x 250 mg/die, 7 Tage |
| Amoxicillin 500 mg |
3 x 500 mg/die, 14 Tage |
| Ciprofloxacin 250 mg |
2 x 250 mg/die, 10 Tage |
| Clindamycin 300 mg |
4 x 300 mg/die, 7 Tage |
Antiobiotikaempfehlungen
in der Parodontologie |
| Endokarditis, durchgemachte bakterielle |
empfohlen (Hochrisiko!) |
| Fieber, rheumatisches, ohne Herzklappenfehlfunktion |
nicht empfohlen |
| Herzerkrankungen, komplexe, wie z. B. Fallot´sche Tetralogie |
empfohlen (Hochrisiko!) |
| Herzfehler, angeboren |
empfohlen (moderates Risiko) |
| Herzgeräusche, physiologische, funktionelle oder harmlose |
nicht empfohlen |
| Herzklappenersatz |
empfohlen (Hochrisiko!) |
| Herzklappenfehlfunktionen |
empfohlen (moderates Risiko) |
| Herzschrittmacher (intravaskulär und epikardial) und implantierte
Defibrillatoren |
nicht empfohlen |
| Kardiomyopathie, hypertrophierende |
empfohlen (moderates Risiko) |
| Kawasaki-Erkrankung ohne Herzklappenfehlfunktion |
nicht empfohlen |
| Koronararterienbypasse |
nicht empfohlen |
| Linksherzkatheter, liegender |
empfohlen |
| Mitralklappenprolaps mit valvulärer Regurgitation |
empfohlen (moderates Risiko) |
| Mitralklappenprolaps ohne valvuläre Regurgitation |
nicht empfohlen |
| Shunts, systemische pulmonare, oder Umgehungskreisläufe |
empfohlen (Hochrisiko!) |
| Vorhofseptumdefekt, chirurgisch behobener, Ventrikelseptrumdefekt
oder offener Ductus arteriosus |
nicht empfohlen |
| Vorhofseptumdefekt, isolierter |
nicht empfohlen |
Antibiotikaempfehlung
bei anderen zahnärztlichen Therapien |
| Abformung (Abdrucknahme) |
nicht empfohlen |
| Endodontologischer Instrumentierung oder Chirurgie über den
Apex hinaus |
empfohlen |
| Erstapplikation orthodontischer Bänder |
empfohlen |
| Fluoridierung |
nicht empfohlen |
| Implantatinsertion, Replantation luxierter Zähne |
empfohlen |
| KFO-Geräte, Nachjustierung |
nicht empfohlen |
| Kofferdamapplikation |
nicht empfohlen |
| Lokalanästhesie, intraligamentäre |
empfohlen |
| Lokalanästhesie, nichtintraligamentäre |
nicht empfohlen |
| Milchzahnentfernung |
nicht empfohlen |
| Nahtentfernung |
nicht empfohlen |
| Parodontale Therapie |
empfohlen |
| Prothesen- oder KFO-Geräte-Eingliederung |
nicht empfohlen |
| Reinigung, prophylaktische (wenn eine Blutung zu erwarten ist) |
empfohlen |
| Restaurative Maßnahmen mit oder ohne Retraktionsfaden |
nicht empfohlen |
| Röntgenbildanfertigung |
nicht empfohlen |
| Stiftapplikation und Stumpfaufbau |
nicht empfohlen |
| Subgingivale Applikation von Antibiotikafäden und -streifen |
empfohlen |
| Wurzelkanalbehandlung, intrakanalikuläre |
empfohlen |
| Zahnextraktion |
empfohlen |
|