Kariesprophylaxe mit Fluoriden

 

Empfehlungen des Obersten Sanitätsrates, erarbeitet durch die Kommission für Zahnmedizin und Prophylaxe

Gesunde Zähne brauchen ausgewogene Ernährung und richtige Mundhygiene. Wer darauf achtet, kann seine Zähne über lange Zeit gesund erhalten. Fluoride bilden eine Schutzschicht an der Zahnoberfläche, die in zwei Richtungen wirkt. Zum einen schützt Fluorid die Zähne vor den Säuren der Mundhöhlenbakterien, zum anderen repariert Fluorid bereits geschädigte Zahnpartien durch Mineraleinlagerung. In der Werbung heißt das: „... härtet den Zahnschmelz“.

Wie bei allen Wirkstoffen, die dem menschlichen Körper zugeführt werden, geht es auch bei Fluoriden um die richtige Dosierung. Wer Fluorid aus anderen Quellen aufnimmt, muss das beim Zähneputzen mit fluoridierten Zahnpasten berücksichtigen.

Die folgenden Empfehlungen gelten für Orte mit Trinkwasser mit einem „normalen“ Fluoridgehalt. Normal sind 0,1–0,2 mg Fluorid pro Liter. Sollte das Trinkwasser in Ihrem Ort einen höheren Fluoridgehalt aufweisen (Informationen beim zuständigen Wasserwerk oder Gesundheitsamt), benötigen Sie eine individuelle Dosierung bzw. eine Beratung durch Ihren Zahnarzt.

Babys vor dem sechsten Lebensmonat brauchen kein Fluorid.

Milchzähne: Sobald die ersten Milchzähne durchgebrochen sind, sollten die Eltern sie zweimal am Tag reinigen. Zuerst nur mit Wattestäbchen und später mit einer Zahnbürste ohne Zahnpaste und schließlich mit Zahnbürste und etwas Kinderzahnpaste. Diese Kinderzahnpaste sollte nicht mehr als 0,25 mg Fluorid/cm3 enthalten.

Ab dem zweiten Geburtstag sollten die Eltern die Milchzähne ihrer Kinder zwei Mal täglich mit einer 0,5mg/cm3 Fluorid enthaltenden Paste reinigen. In den ersten Lebensjahren gehört diese Aufgabe unbedingt in Elternhand. Später, wenn das Kind bereits selbst die Zähne putzt, müssen die Eltern noch bis in das Schulalter hinein bei der Zahnpflege nachhelfen. Kinder in diesem Alter können nur etwa ein Drittel der vorhandenen Zahnbeläge selbst entfernen.

Volksschulalter: Ab dem Schuleintritt sind „normale“ Zahnpasten mit einem Fluoridgehalt 1,0–1,5 mg/cm3 Fluorid empfehlenswert.

Fluoridiertes Salz: Sind die zahnschonende Ernährung und/oder die Mundhygiene nicht ganz optimal, dann ist fluoridiertes Speisesalz empfehlenswert – und zwar zusätzlich zu lokalen Fluoridpräparaten (ab dem zweiten Lebensjahr). Die Empfehlung gilt nur unter der Voraussetzung, dass die Betroffenen Fluorid nicht auch aus anderen Quellen aufnehmen: So können z. B. Sojanahrung, hypoallergene Nahrungsmittel, bilanzierte Diäten, Mineralwässer zur Herstellung der Säuglingsnahrung und eventuell auch andere fluoridhaltige Nahrungsmittel die tägliche Fluoridaufnahme erhöhen. Auch das Trinkwasser kann an manchen Orten mehr Fluorid enthalten.

Zusätzliche Mittel: Stellt der Zahnarzt bei einem Kind eine hohe Kariesaktivität bzw. ein hohes Kariesrisiko fest, dann sind zusätzliche Vorsorgemaßnahmen nötig: Lassen Sie sich über zahngesunde Ernährung und richtige Mundhygiene beraten. Ab dem Schulalter kann auch die häusliche Anwendung von Fluoridgelees und -lösungen zusätzlich zum Zähneputzen mit fluoridierter Zahnpaste sinnvoll sein. Für Risikopatienten stehen außerdem Lacke, Lösungen und Gele mit antimikrobiellen Mitteln oder höherem Fluoridgehalt zur Verfügung. Diese sollten aber nur nach zahnärztlicher Anweisung und unter zahnärztlicher Kontrolle angewendet werden.

Fluoridtabletten können – in vereinzelten Fällen – eingenommen werden. Voraussetzung: Das Kind verwendet kein fluoridiertes Speisesalz und keine Fluoridzahnpaste und nimmt auch aus anderen Quellen (Speisen, Getränke etc.) keine höhere Fluoridmenge auf. Auch sie sollten nur nach zahnärztlicher Anweisung und unter zahnärztlicher Kontrolle angewendet werden.

Unerwünschte Nebenwirkungen von Fluoriden: Bei einer chronisch zu hohen Fluoridaufnahme können an Zähnen im Entwicklungsstadium weißlich-matte (opake) Schmelzflecken entstehen. Solche Schmelzflecken können aber auch eine Reihe anderer Ursachen haben. Eine extrem hohe Fluoridzufuhr kann auch zu einer akuten Fluoridvergiftung führen. Schachteln mit Fluoridtabletten oder hochkonzentrierte Fluoridlösungen oder -gele sollten daher für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden.

Eine individuelle Fluoridanamnese ist nötig. Nutzen und Risiko der Einnahme von Fluorid muss bekannt sein, eine möglichst schriftliche Instruktion für die sachgerechte Anwendung ist hilfreich.

Dosierung von Fluoridtablette in Abhängigkeit von Fluoridgehalt im Trinkwasser

Alter   Fluorid im Trinwasser mg/l  
 
< 0,3
0,3–0,7
>0,7
0-6 Monate
-
-
-
6-12 Monate
0,25 mg
-
-
1 bis unter 3 Jahre
0,25 mg
-
-
3 bis unter 6 Jahre
0,50 mg
0,25 mg
-
> 6 Jahre
1,00 mg
0,50 mg
-

Empfehlungen zur Fluoridanwendung der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), http://www.fluoridationforum.ie