Fortbildung

Die „konstruktiven“ Verhandlungen der ÖGK

Die ÖGK stellt nun ihre Vorstellungen der Alternativen zu den ab 1.1.2025 verbotenen Amalgamfüllungen vor.

„In den Kassenambulatorien wird seit drei Jahren flächendeckend mit einer hervorragenden Amalgamalternative, dem Alkasit, gearbeitet. Wir werden auch 2025 unsere Patient*innen mit einem hochwertigen Füllmaterial versorgen“ (Zitat Dr. Ewald Niefergall, Leiter des Zahnmedizinischen Dienstes der ÖGK.)

Alkasitfüllungen oder nennen wir es beim Namen: „Cention® forte“ von Ivoclar wurde offensichtlich in einem Feldversuch mit Ambulatoriumspatienten erprobt. Die wissenschaftlichen Publikationen sind für einen Werkstoff mit solch geplanter Breitenwirkung überschaubar, eigentlich nicht ausreichend. Eine eventuelle Toxizität ist überhaupt nicht aufgearbeitet. Scheinbar glaubt die Fa Ivoclar hier einen Solosechser mit Jackpot gelandet zu haben. Es handelt sich nämlich derzeit um ein Marktmonopol, das man mit Hilfe der Krankenkasse flächendeckend und hochgewinnbringend installieren will. Solche Aktionen sind in der Geschichte aber schon mehrfach kläglich gescheitert. Erinnern Sie sich z.B. noch an Surefil® oder gar an Definite®? Viele erinnern sich, Zahnärzt:innen und Patient:innen - aber in Albträumen!

In einer Pressemeldung spricht nun Andreas Huss, Vorsitzender des Dachverbands der Sozialversicherung und ÖGK, der gerade Medienwirksam eine Milliarde Euro für das Gesundheitssystem aus dem Steuertopf fordert, von „überzogenen Forderungen der Zahnärztekammer auf Kosten der Beitragszahler:innen“, die sie nicht akzeptieren werden. Ziel sei es, eine hochwertige Versorgung auf Kassenkosten mit Amalgamersatz zu gewährleisten.

Sehr geehrter Herr Huss, der vertragliche Auftrag, den sich die Sozialversicherungen selbst auferlegt haben, lautet „ausreichend“ (einst: „ausreichend, zweckmäßig das Maß des Notwendigen nicht übersteigend - wobei natürlich immer die Krankenkassen befunden haben, was ausreichend oder nicht notwendig ist)

Sie sprechen von „hochwertig“ im Zusammenhang mit Alkasitfüllungen? Die Zukunft wird zeigen, ob diese überhaupt „ausreichend“ sind. Lassen Sie sich von Fachleuten erklären, was „hochwertige“ Zahnversorgung im Seitzahnbereich überhaupt bedeutet.

Die Stellungnahme der ÖGK „die Krankenkasse wird notwendige Füllungen immer bezahlen“ ist an Zynismus nicht zu überbieten. Wollen Sie den Zahnärzt:innen in Österreich unterstellen, dass sie nicht notwendige Füllungen machen?

Die Verantwortlichen sollten jetzt sehr rasch an den Verhandlungstisch zurückkehren, Pakttreue zeigen (es war still halten bis zur nächsten Verhandlungsrunde vereinbart) und nicht mit alten Gewerkschaftstricks aus der untersten Schublade versuchen, ein Ergebnis medial zu erzwingen. Auch wenn das Angebot der Zahnärztekammer und des Dachverbandes vielleicht weit auseinanderliegen, sollte ein Ergebnis auf Augenhöhe möglich sein.  Die von Ihnen vor laufender Kamera vorgeschlagenen 10% Tariferhöhung ist ein Schlag ins Gesicht aller österreichischen Kassenordinationen, die seit Jahren zum Wohle der Patient:innen bereit waren, nicht kostendeckende Kassentarife mit ihren Privateinnahmen zu sponsern.

Es muss Ihnen doch klar sein, dass ohne adäquate Tariferhöhung eine teurere und aufwendigere Leistung nicht erhalten werden kann. Noch dazu wo seit Jahren bereits bisher bei der Vertragsleistung der „amalgamersetzenden Füllungen“ bei Kindern und schwangeren Frauen einen höheren Tarif anerkannt wurde, weil die Verarbeitung eben teurer und aufwendiger ist.

Auch Glasionomerzemente und Alkasite sind bei sorgfältiger Verarbeitung deutlich aufwendiger und teurer.

Der ZIV fordert seit Jahren die Kassenleistungen endlich mit kostendeckenden Honoraren zu bezahlen. Neue inakzeptable Mehrkosten ohne Abgeltung können nicht mehr hingenommen werden. Nur 9% der österreichischen Bevölkerung werden durch Kassenambulatorien versorgt. Die Suche nach Kassenvertragszahnärzt:innen ist für die überwältigenden Mehrheit von 91% bereits schwierig. Wenn eine der Hauptarbeitsgebiete - die Füllungstechnik, durch aufgezwungene, unbezahlte Mehrkosten noch unattraktiver wird, werden sich künftig kaum noch Kolleg:innen für die Führung bzw. Übernahme einer Kassenordination finden.

OMR Dr. Franz Hastermann
Präsident

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